Archiv der Kategorie: Allgemein

Q belebt Quartier, Spielbericht

Was wäre, wenn wir neben Franken noch eine zweite, lokale Währung im Portemonnaie mit uns führen würden? Die Quartierwährungs-Simulation ermutigt geradewegs dazu. Ein Bericht vom Spiel am 8. April 2017 in der Genossenschaft Karthago, Zürich.

Text: Fred Frohofer

Gudruns Bioladen läuft gut. Ihre Angebote sind auf Kärtchen geschrieben. Wer etwas kauft, kriegt eine blaue Quittung. Und Gudrun kassiert dafür farbige Q-Noten ein. Mit ihren Q‘s – der Quartierwährung – ersteht sie sich etwa Angebote wie Konfitüre oder Kräutertees von Produzenten im Quartier. Und die Alleinerziehende kann sich damit etwa einen KiTa-Platz für ihr Kind leisten.

KiTa-Angebote gibts gleich drei. «Ein Skandal, diese Preisgestaltung», moniert jemand anonym über die «Hybrid Letterbox»: Die KiTa von Tamara und Gustav koste 20 Q die Stunde, der Blumenladen biete dagegen eine Betreuungsstunde für 3 Q an, da könne doch etwas nicht stimmen. Der Skandal verbreitet sich rasch im ganzen Quartier, denn die Letterbox schluckt nicht nur Postkarten, sondern projiziert sie allgemein ersichtlich.

Die Preisgestaltung der KiTa-Dienstleistungen ist dann auch an der folgenden Allmende-Sitzung Thema. Gustav rechtfertigt den hohen Preis, die KiTa würde mit Tamara zusammen geführt, damit sei auch gleich noch Yoga für die Kinder enthalten: «14 Q für die Betreuung und 6 Q fürs Yoga». Und die Differenz zum Tiefpreisangebot des Blumenladens sei noch weit weg von 1:12. Schallendes Gelächter bricht aus.

Doch Preisgestaltungen werfen weitere Fragen auf. Ob denn nicht feste Preise geltend gemacht werden können, fragte ein Mitspielerin und ergänzt: «Preisverhandlungen fallen mir schwer». Das wäre ebenfalls so, wenn sie im realen Leben für ihre Dienstleistungen einen Preis aushandeln müsste.

Tamara, Gudrun und Gustav sind drei von etlichen Rollen im Quartierwährungs-Spiel von Flexonomix, in die knapp 20 Interessierte geschlüpft sind. Sie haben im Gemeinschaftsraum der Genossenschaft Karthago in Zürich einen intensiven Nachmittag lang ausprobiert, was passieren könnte, wenn es ein neues Geld geben würde. Und sie waren beeindruckt, wie mit den Q‘s plötzlich mehr Leben ins Quartier einkehrt.

Neben einem einmaligen Grundstock von 50 Q pro Person als Startgeld, wird leistungsbasiertes Geld in Umlauf gesetzt: Die Allmende-Kommission – bestehend aus zwei bis drei Mitspielern – nimmt an den Allmende-Versammlungen die Bedürfnisse des Quartiers auf: etwa Treppenhausreinigungen oder Organisation von Quartierfesten. Die Kommission kalkuliert den Aufwand – im Schnitt 10 Q pro geleistete Stunde – und vergibt die Jobs; und damit das entsprechende Q-Geld.

So kommt neben den Grundstock zusätzliches Geld in Umlauf. Und das fördert die Kreativität der Quartierbewohnerinnen bzw. Mitspieler enorm: Da werden schon mal Einkäufe für Nachbarn erledigt, Alte gepflegt oder etwa eine Sonnenuhr verkauft. Alles natürlich nur simuliert.

Nach einem Spieldurchgang, am Monatsende, bezahlen alle ihre Taxe. Zusammengerechnet ist es genau der Betrag, den die Allmende-Kommission für die Jobs ausgeschüttet hat. So kann keine Finanzblase entstehen – und die notwendigen Arbeiten für das Gemeinwesen werden erst noch eher erledigt.

Über die Stränge kann niemand schlagen, denn das liebe Geld ist nicht geschenkt. So musste Robin kurz vor Monatsende noch eine Fussmassage anbieten, um die Taxe überhaupt bezahlen zu können. Doch auch ein ausgeprägter Spartrieb sollte in diesem System überwunden werden, wird in der Diskussion klar, sonst funktioniert es nicht.

Die Bioladenbetreiberin Gudrun erreichte ein ausgeglichenes Ergebnis. Wohl ist sie nach dem Bezahlen der Taxe ebenfalls etwas im Minus, sie hat dafür Produkte wie Quittenkonfitüre von Robin an Lager, die sie im nächsten Monat verkaufen dürfte. Die Gewinne, die sie im Laden erwirtschaftete, nutzte sie privat, indem sie sich auch mal eine Yogastunde gönnte. Und sie vertraute ihr Kind dem Betreuungsangebot des Blumenladens an; da dies sehr günstig gewesen sei. «Doch das Kind ist noch nicht zurück», entfährt es ihr. Kein Tragödie, sondern ein weiterer Anlass für Gelächter. Die Simulation verbreitet nicht nur gute Laune, sie zeigt auch auf, wie lokale Währungen Sinn machen und soziale Energie erzeugen können.

Quartierwährungs-Spiel mit NeNa1

Die nächste Gelegenheit, das Quartierwährungsspiel, Quartier-Geld-Simulation, kennenzulernen ist am:

Samstag 8. April 2017, 13:30-17:30
Genossenschaft Karthago, Zentralstrasse 150, 8003 Zürich

Spielend erleben und erfahren, wie eine Wirtschaft im Rahmen einer Genossenschaft aussehen könnte, die den Anforderungen von Nachhaltigkeit, Gerechtigkeit und Demokratie besser entspricht, als das heutige Wirtschaftsmodell, das Ausbeutung favorisiert.
Das Planspiel zur Quartierwährung bietet:

  • Eine Einführung in eine alternative Währung
  • Einen halben Tag zusammen in einem gemeinschaftsbasierten Geldsystem zusammenarbeiten
  • Sich selbst erleben in einer Genossenschaft mit einem anderen Wirtschaftsverständnis
  • Austausch und Diskussion, Fragen und Reflektion

Alle, die sich für Zusammenarbeit, Geld und Alternativen dazu, Commons und für die interne Wirtschaft einer Neuen Nachbarschaft (NeNa) interessieren, sind herzlich eingeladen, am bewährten und kurzweiligen Spiel von Flexonomix teilzunehmen.

Diese Veranstaltung wird von der Bau- und Wohngenossenschaft NeNa1 organisiert, findet in der Genossenschaft Karthago statt und ist offen für alle.

  • Sprache: Deutsch allenfalls mit Teilübersetzungen in Englisch.
  • Limitierte Platzzahl, kostenlose aber verbindliche Anmeldung notwendig
  • Spendenbox an der Veranstaltung
  • Nur angemeldete Teilnehmende!

TICKETS hier bei Eventbrite

Flugblatt mit Detailinformationen und zum Verteilen: 2017-04-08-Quartierwaehrung-Flugi

Spiel-Workshop in Amsterdam

Am Freitag 2.12.2016 konnte in Amsterdam erstmal ein Spiel-Workshop in Englischer Sprache mit dem distrigt-currency-game (Quartier-Geld-Simulation) durchgeführt werden.  Der sehr gut besuchte Workshop mit der Einführungsversion (Kurzversion) des Spieles hat begeistert und ein zum Nachdenken angeregt. Bereits ist ein ausführlicher Blogbericht mit Bildern erschienen, der hier abgerufen werden kann.

Wir gründen eine Quartierwährung: Das Spiel bei mehr als wohnen

Der nächste Spiel-Workshop mit der Flexonomix Quartier-Geld-Simulation wird zusammen mit der Quartiergruppe Quartierwährung der Baugenossenschaft mehr als wohnen und dem Verein NetHood organisiert und findet auf dem Hunziker Areal der Genossenschaft in Zürich statt am:

Samstag 22. Oktober 2016  –  13.30 bis 17:00
im Seminarraum im Erdgeschoss, Genossenschaftsstrasse 13, 8050 Zürich

Website der Quartiergruppe mit Informationen zum Anlass: Quartierwährung

Anmeldung erforderlich bis 15. Oktober 2016: Anmeldungsformular direkt

PDF/Kurzbeschrieb (ausschreibung-quartier-geld-simulation_mehralswohnen)

Dynamisches Spiel in der Wandellust

Die Quartier-Geld-Simulation vom Schalttag 29. Februar 2016 konnte sich mit einer idealen Besetzung von etwa 25 Teilnehmenden zu einem dynamischen Spielnachmittag entfalten. Die Idee des „gemeinschaftlichen Geldes“, also einer Währung, die durch eine Gemeinschaft (Quartiergruppe, Verein, Genossenschaft, etc.) herausgegeben wird und durch die Beteiligung aller zum Leben erwacht, wurde durch das Spiel „hautnah“ erfahrbar.

Nach einem feinen Suppenzmittag in der Wandelbar und einer fundierten Einführung in die Welt der Komplementär- und Gemeinschaftswährungen, startete die Simulation in der grossen Wandelhalle mit der Rollenverteilung und der Erklärung der Regeln. Die Quartierbewohner im fiktiven Quartier „Zürich Kreis 13“ hatten beschlossen, eine Quartierwährung für Gemeinschaftsaufgaben einzuführen. Alle Beteiligten verpflichteten sich, am Experiment teilzunehmen und auch persönlich einen Beitrag zu leisten.

Kassa Marktbrett QuartierdynamikKreis

Das Quartier begann sich nun sofort zu beleben. Da wurde gearbeitet und gekauft, verschönert, Kinder und Hunde gehütet, Kaffee getrunken, Gartenbau betrieben, Massagen gegeben und Abfall entsorgt. Die Quartierbewohnerinnen und Quartierbewohner waren in regem Kontakt und Austausch und liessen die von der Gemeinschaft herausgegebene Quartierwährung fliessen. Das Ziel war ein lebenswerteres Quartier und ein Gleichgewicht von Geben und Nehmen zu erreichen. Eine interessante Erfahrung, die sich doch in einigen Punkten vom normalen „Geldverhalten“ unterschied, wie am Schluss in der Auswertung berichtet wurde. Das Experiment war so anregend, dass sich spontan die Idee bildete, auch eine Umsetzung in die Wirklichkeit anzugehen. Eine nächste Diskussion ob und wie so etwas möglich werden könnte, stiess auf grosses Interesse. Wir berichten darüber, wenn es weitergeht.

Wir gründen eine Quartierwährung – Spielworkshop am 29. Feb. 2016

Dieses Jahr wird uns wieder einmal ein Tag dazugeschenkt, der Schalttag und dazu hat uns das Event-Team von Wandellust im Zürcher Seefeld zum Durchführen eines Spiele-Workshop eingeladen. Wie gründen wir eine Quartierwährung? Lautet unser Titel diesmal für einen spannenden Workshop mit unserer Flexonomix® Quartier-Geld-Simulation. Wir gründen spielerisch eine eigene Quartierwährung und probieren diese mit einem einfachen, dynamischen Simulations- und Rollenspiel zusammen mit den Teilnehmenden gleich aus. Auch Kinder ab 10 Jahren in Begleitung können gerne mitmachen.

Montag 29. Februar 2016 (Schalttag) 13:00 – 16:00

Wandellust | Zollikerstrasse 74 | 8008 Zürich

(Bus Nr. 33, Botanischer Garten oder Tram 2/4 Höschgasse + 5 Min. Fussweg)

Workshop mit Einführung, Spielteil und Diskussion der Ergebnisse und Erlebnisse. Freie Teilnahme, Kollekte.

Flyer mit den Einzelheiten

Neue Geld-Spiele, ein Trend?

Neue-Geld-Spiele sind nicht etwa Glücksspiele aus Las Vegas, um noch mehr Geld zu gewinnen auf Kosten von von anderen Menschen und der Gesellschaft: Nein Neue-Geld-Spiele sind Lernspiele, die negative Mechanismen des bestehenden Geldsystems aufzeigen oder alternative Währungen erlebbar und begreifbar machen. Dazu zählen auch die vielen Alternativen zu Monopoly, die andere Gesellschaftsformen oder neues Bodenrecht zum Thema haben. Bereits Monopoly selbst war ja ursprünglich als Lernspiel für eine andere Eigentumsordnung gedacht (dazu mehr in späteren Beiträgen).

Es zeigt sich heute immer mehr, dass unser Wirtschafts- und Geldverständnis dringend einer Generalüberholung bedürfen. Viele Initiativen oder auch engegierte Einzelpersonen, die z.B. eine Komplementärwährung auf die Beine stellen wollen, merken schnell, dass Bildungsinstrumente fehlen. Wie soll man den Leuten erklären, warum ein anderes Geld dringend notwendig ist? Hier können Spiele helfen und so werden immer wieder neue Spiele erfunden, die (meist workshopartig) den anderen Umgang mit Geld erfahrbar werden lassen. Ist das nun bereits ein Trend? Leider noch nicht, aber vielleicht gelingt es in den nächsten Jahren doch, dass solche intelligenten Spiele über Geld mehr Öffentlichkeit erhalten. Wir versuchen dazu einen Beitrag zu leisten.

Auf unserer Website haben wir begonnen, eine Sammlung von Links zu solchen Spielen anzulegen (Andere_Geldspiele). Es gibt dabei noch viel mehr als man denkt und die Liste ist erst ein Anfang. Gerne nehmen wir  Hinweise zu weiteren Spielen entgegen. (Bitte Kontaktformular benutzen)